Zen trotz Kugelbauch - Auch Yoginis können schwierige Schwangerschaften haben

LALUMBRE Yoga & Pilates, Nidaugasse 11, 2502 Biel/Bienne

Mein Mann und ich haben uns Jahrelang auf unser kleines, grosses Wunder gefreut und uns auf diese gemeinsame Abenteuerreise vorbereitet.

Nicht ahnend, was für eine körperliche und seelische Achterbahn uns erwarten würde. Geblendet von Bildern mit lächelnden Eltern und glücklichen Schwangeren, wurden wir nicht gewarnt vor Schwierigkeiten wie Wassereinlagerungen, Sorgen, Atemnot, Infektionen, plötzlichen Blutungen, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Sodbrennen, Hüftbeschwerden und all den anderen Dingen die uns begleitet haben.

Während meiner Schwangerschaft wurde ich immer wieder mit Aussagen konfrontiert wie „Du bist ja Yogalehrerin, das steckst du mit Links weg“ oder „Als Yogini hast du bestimmt eine einfache und komplikationsfreie Schwangerschaft/Geburt“.

Anscheinend möchte niemand eine Yogalehrerin, welche körperliche Unannehmlichkeiten und seelischen Schmerz auf sich nehmen muss – Yoginis sollten vermeintlich bis im neunten Monat auf dem Kopf stehen und in einem leichtfüssigen Malasana gebären.

Offenbar wird von Yogalehrern so etwas erwartet – glücklich soll er sein, und erlöst und erleuchtet. Ein Guru eben. Guru heisst übrigens soviel wie: der Licht ins Dunkle bringt. Doch hey, er ist und bleibt genau das: Ein Lehrer auf seinem eigenen spirituellen Weg, der sein Wissen und seine persönlichen Erfahrungen weitergibt. Ein Mensch eben.

Und obwohl Yoga ein umfassendes System zur Wartung von Körper, Geist und Seele ist, so glaube ich fest daran (und das sage ich meinen Schülern praktisch nach jeder Lektion), dass das Leben selbst unser grösster Guru auf dem Weg zurück zur Essenz ist.

Wir alle tragen unsere Lektionen in uns und das Leben bietet uns unseren ganz persönlichen und auf uns abgestimmten „Lehrplan“. So hat mich diese eher schwierige Schwangerschaft Dinge wie Geduld gelehrt. Mich die Lektion des Urvertrauens verinnerlichen lassen. Mich in meiner Meditations- und Pranayamapraxis vertieft. Und mich in meiner Weiblichkeit ankommen lassen. Ich wurde wieder daran erinnert, dass es nicht bloss darum geht einen starken Körper zu haben, sondern auch eine starke Seele.

Getrieben vom berühmten „Nestbautrieb“ habe ich sortiert, aufgeräumt, ausgemistet, geordnet sowie geputzt. Ich habe Pflanzen umgetopft und sämtliche Plüschtiere gewaschen. Doch innerlich habe ich genauso viel entstaubt, ausgemustert und analysiert – mein ganz persönlicher mentaler Hausputz.

Mit Hilfe meiner Meditationspraxis und Übungen, welche ich gemeinsam mit meinem Mann im Geburtsvorbereitungskurs gelernt habe, bietet sich mir ein effektives Mittel um diesen Prozess der Ausmusterung zu unterstützen. Denn der Übergang zum Mutterwerden geht für mich mit einer tiefen inneren Reinigung und dem Loswerden von Altlasten einher. So kann ich den Veränderungsprozess nicht nur körperlich, sondern bis in die tiefsten Ecken meiner Seele wahrnehmen.

Dieses Gefühl des Loslassens, möchte ich auf alle Fälle auch bei der Geburt haben. Und so mit Unterstützung meines Atems (meinem zuverlässigen Partner) und dem Wunderwerk Körper die Natur in ihrer reinsten Form erleben; ganz im Vertrauen, dass alle Antworten in mir liegen.

Also nutze ich nun diese letzten Tage der Schwere und Fülle, um mich mit der Weisheit aller Mütter der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verbinden und gehe mit meiner Babykugel (selbst Obelix würde vor Neid erblassen) und dem Gefühl bald zu platzen (abwechselnd vor Vorfreude, Glück – oder schlichtweg wegen des immensen Bauchumfangs) als prustender Wal dem Stichtag – DEM Ereignis unseres Lebens entgegen.

In diesem Sinne Mamasté
Lea Hänni Udry